Aktualisiert am
13.02.2012

SZ vom 5.4.00

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Fiskalischer Geniestreich
Junggesellen, aufgepaßt! Volkstheater Lainpenfieber führt die Ledigensteuer" ein

 Höllriegelskreuth - Fast könnte man meinen, "Die Ledigensteuer" sei der neueste Geniestreich aus dem Bundesfinanzministerium, doch alle Steuerzahler können aufatmen: Hier handelt es sich "nur" um einen gleichnamigen ländlichen Schwank von Walter Kalkus.

 Die semiprofessionellen Laien des "Volkstheaters Lampenfieber" zeigten an den beiden vergangenen Wochenenden vor ausverkauftem Saal beim Brückenwirt in Höllriegelskreuth ihre fiskalische Komödie: Drei hartgesottene Weiberfeinde beschließen angesichts einer drohenden Ledigensteuer ihren Geldbeutel ebenso wie ihre Freiheit mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. Von der Abgabe befreit wird nur, wer entweder drei schriftliche "Körbe" nachweisen kann, oder als unzurechnungsfähig gilt.

 Die Bauern Breitlinger und Hintauf wollen ihr Glück mit aussichtslosen Heiratsanträgen versuchen, der Barbier spekuliert auf den "Blödheitsbonus". Die Rechnung scheint auch aufzugehen, denn das Damenaufgebot - die giftige Schwester des Hoferben, Katharina Breitlinger, die bereits verlobte Magd Vevi und die Besenreitergodl, eine Landstreicherin - scheinen keine echte Gefahr zu sein. Aber da hat noch der Knecht Franzl die Finger im Ränkespiel, und erstmals gibt es auch einen tierischen Mitspieler, Hofhund Bauxl, alias Hexe.

 Zwei Türen ermöglichen viel Bewegung auf der relativ kleinen Bühne, links geht's zum Stall, nach rechts ins Haus der Breitlingers. Alpenpanorama und eine große Hundehütte runden das Bühnenbild ab. Dazwischen, quasi mitten auf dem Hof, werden Briefe geschrieben, versteckt und gefunden, Streiche gespielt und Anträge gemacht.

 Es mag zwar nicht mehr zeitgemäß sein, dass eine jede Frau geheiratet werden will und ein jeder Mann sich deshalb zur Flucht veranlasst sieht, aber lustig ist es doch. Die Pointen sitzen, es gibt Szenenapplaus für besonders kesse Sprüche und Auftritte, von denen vor allem Heidi Ostermaier und Christian Fey profitieren. Sie als zahnlose Bettlerin im Lumpengewand, mit großem Herz und unfreundlichem Bräutigam, er, der Irre mit Schaukelpferd oder als Genoveva mit blonden Zöpfen. Natürlich kommt alles anders als geplant.

 Viele der Zuschauer sind Stammgäste bei Lampenfieber, doch zur großen Freude der Theaterchefin kommen auch immer mehr Zuschauer aus Pullach und Grünwald. "Wir freuen uns über die Akzeptanz als Teil der lokalen Kulturszene". Obwohl die aktuelle Formation der Lampenfieber-Gang gut aufeinander eingespielt ist, sucht Leiterin Sonja Bahner nach neuen - vor allem männlichen - Mitspielern. Zwar erfüllte sich Susi Hetrich jetzt den lang gehegten Wunsch, "endlich mal einen Mann zu spielen", als Dauerlösung kommt diese "Aushilfe" aber nicht in Frage.

 UTE LOHSE