Aktualisiert am
13.02.2012

SZ vom 20.10.99

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Eine Maß fürs Jehnseits
Lampenfieber: Mit Hilfe der Geister auf Brautschau

 Höllriegelskreuth - Auf jeden Topf passt ein Deckel, eine Binsenweisheit, so alt wie das Brunftverhalten, und Hoffnung für die Protagonisten der "Geisterbraut", die auf der Bühne des Brückenwirts am vergangenen Wochenende fündig wurden. Trotz Lampenfieber bei der Premiere ging für die gleichnamigen Laien alles glatt; belohnt mit vielen Lachern und großem Applaus können sie den kommenden Spielwochenenden gelassen entgegensehen.

 In der "Geisterbraut" von Hannes Bauer geht es um die Zukunft eines Hofes. Was an Jahrhundertwende erinnert, ist im Bayern der siebziger Jahre angesiedelt. Hans Pfisterer, verwitweter Bauer, sucht eine Hauserin, Sohn Hans möchte dem Vater über diesen Posten die eigene Braut unterschieben. Schwiegermutter Barbara, Heidi Ostermaier in Bestform, wacht über das Tun der Männer und steht dem spiritistischen Treiben der Mannsbilder skeptisch gegenüber. Oberknecht Sixtus, ein gewiefter Kerl, der immer für ein Schnapserl zu haben ist, schmiedet einen Plan: Die erste, die am nächsten Tag auf dem Hof erscheint, soll Hauserin werden.

 Bei einer spiritistischen "Sitzung", in der das Medium Sixtus mit Hilfe von Himbeergeist die nichtalkoholischen Geisterbrüder anruft, täuscht er den gutgläubigen Hans. Der Zauber wirkt tatsächlich, durch Sixtus spricht ein Geist, der dem Plan der Verschwörer den Weg ebnen soll. Nach einer wohlverdienten Maß (drei für die Irdischen, eine fürs Jenseits) macht Sohn Hansl sich siegesgewiss auf den Weg zu seiner Auserwählten.

Inzwischen aber wird die Stelle der Hauserin unverhofft besetzt. Eine andere Dame hat sich beworben, die Geschichte der Irrungen und Wirrungen nimmt ihren Lauf. Die Weibsleut kehren das oberste nach unten und verdrehen Vater, Sohn und Knecht die Köpfe. Wer sich aber an die Theorie von Topf und Deckel erinnert, braucht nicht zu erraten, wie die Sache ausgeht... In der aktuellen Produktion zeigen sich die Schauspieler in stimmiger Formation, die beiden Neuzugänge Susi Schenk und Robert Hamberger machen ihre Sache ausgesprochen gut. Hambergers Darstellung des Vaters geht im Facettenreichtum weit über Laienspiel hinaus. Auch Sonja Bahner und Christian Fey, Urgesteine des Lampenfiebers und von Anfang an dabei, sind mit Lust und Liebe bei der Sache. Selbst wenn die Truppe nach zwei Jahren "gesundgeschrumpft" ist, geht die Suche nach neuen Mitspielern weiter. Leiterin Bahner: "Uns fehlen die richtig Alten und richtig Jungen, Männer sowieso". Mit Zeitungsannoncen und neuerdings sogar im Internet rühren sie die Werbetrommel für das gemeinsame Hobby. Bewerber haben nach den Aufführungen die Möglichkeit zur Vorstellung.

UTE LOHSE