Aktualisiert am
13.02.2012

SZ vom 15.4.02

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Beinahe eine Klamotte
Ensemble „Lampenfieber“ spielt beim Brückenwirt

 Höllriegelskreuth - Wetten ist immer eine unsichere Sache, kein Wunder, wenn mancher seinem Erfolg dabei gehörig nachhilft. Der Nepomuk Kastlmeier ist so einer, und er schreckt um seiner Wetterfolge willen vor überhaupt nichts zurück, nicht einmal vor der sonst so ersehnten Hochzeit seiner Tochter, die er für einen (allerdings teuren) Sieg seelenruhig platzen lässt. Und in dem Stück „A gmahde Wiesn“, das die Gruppe „Lampenfieber“ derzeit im Theatersaal des Brückenwirts in Höllriegelskreuth spielt, läuft es gerade so wie im richtigen Leben: Derjenige, dem man einen richtigen Beifall von Herzen gönnt, der hat am Ende, als er vor lauter Schlauheit selber nicht mehr aus und ein weiß, auch noch Glück.

 Natürlich ist das Stück von Reinhard Seibold reichlich überzogen und meist am Rande der schieren Klamotte, doch darf man dabei nicht übersehen, dass das vom Autor ausdrücklich als „lustiges Spiel“ bezeichnete Stück nicht der Erhebung der Seele dienen soll, sondern der Unterhaltung. Und unterhaltsam ist die Inszenierung, weil die Schauspieler überwiegend stärker sind als die Vorlage. Charly Neumeier und Carmen Basl als das Ehepaar Kastlmaier, spielen die Unvereinbarkeit ihrer Lebensentwürfe ebenso lustvoll aus, wie Sonja Bahner und Susanne Colella in den Rollen ihrer streitbaren Töchter. Während Erstere ihre ganze Wehleidigkeit und Geldgier ausbreitet, muckt die andere in schnell abschwellender Bockigkeit gegen die ihr zugewiesene Hausmädchenrolle auf. Und eine wahrhaft „gmahde Wiesn“ ist natürlich die Rolle der schwerhörigen Oma (Heidi Ostermaier), die immer dann alles ganz genau versteht, wenn sie etwas nicht hören soll. Und schließlich die beiden potenziellen Schwiegersöhne, von denen einer (Alex Kragl), dem Herrn Papa willkommen ist, weil er es gar nicht ernst meint, während er den anderen (Robert Hamberger) sozusagen zum Abschuss frei gibt, weil er es ernst meint. Aber wir wollen nicht zu viel verraten, sonst ist die Überraschung am Ende weg. Dafür gab es jedenfalls reichlich Beifall.

 Weitere Vorstellungen finden am 24., 26. und 27. April statt. Mittwoch, 24., ist eine Nichtraucheraufführung. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, Einlass ab 18 Uhr.

MARTIN A. KLAUS