Aktualisiert am

06.02.2013

SZ vom 15.1.01

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Der Schmuggler und seine Frau
Das Volkstheater"Lampenfieber" spielt beim Brückenwirt in Höllriegelskreuth den"Weibsteufel"

 Höllriegelskreuth   Bislang war immer Gaudi garantiert, wenn die Laienspieler vom Volkstheater Lampenfieber auf die Bühne gingen, doch diesmal war alles anders. Mit dem berühmten Stück "Der Weibsteufel" von Karl Schönherr erfüllte Ensemblechefin Sonja Bahner sich zwei Träume auf einmal: einen ernsthaften Mehrakter samt Charakterrollen auf die Bühne zu bringen. Die Zuschauer honorierten die respektable Leistung der Schauspieler und bestätigten den Versuch mit viel Applaus.

 Die Geschichte ist eine Tragödie: Die junge attraktive Lena Bichler hat sich mit dem Leben auf einem abgeschiedenen Bergbauemhof und ihrem kränkelnden Mann Ignaz arrangiert. Dieser ist durch Schmuggel zu bescheidenem Reichtum gelangt. Als das Geld gerade für das lang ersehnte Haus am Marktplatz reicht, kommt ein neuer Grenzer ins Revier, der den alten Gauner zur Strecke bringen will. Zur Ablenkung vom eigenen Treiben setzt dieser seine Frau auf den Neuen an. Ein verhängnisvoller Fehler. Noch bevor der rote Vorhang sich öffnet, fallen zwei Schüsse, doch erst unmittelbar vor Schluss erfährt der überraschte Zuschauer, was es damit auf sich hat. Über drei Akte bleibt es spannend, nichts ist vorhersehbar. Sonja Bahner zeigt viele Facetten der weiblichen Seele, ihre Lena Bichler wird nicht ganz zu Unrecht als Teufel geschmäht. Gatte Ignaz alias Robert Hamberger kränkelt und schwächelt, dass es zum Steinerweichen ist. Alex Kragl, bislang Poltergeist der Truppe, darf in seiner Rolle als Grenzer Franz Brucker auch ein paar sanfte Töne anschlagen.

 In der kleinen Stube geht es um große Gefühle und kleine Gemeinheiten, bis sich ein heftiges Donnerwetter entlädt.

 Im "Weibsteufel" wie auch in künftigen Januar‑Produktionen wollen die Darsteller zeigen, dass "wir auch was anderes können" wie Christian Fey klar formuliert. Der bewährte Mitspieler verzichtete diesmal auf das Rampenlicht und führte erstmals Regie. Anweisungen zu geben statt zu empfangen sei ihm nicht schwer gefallen: "Wenn das Kli‑ so gut ist wie bei uns, kann man sich alles sagen".

 Im März steht bereits die nächste Premiere an, dann darf wieder gelacht werden. Uschi Döring aus München, die erstmals den Weg zum Brückenwirt fand und gleich begeistert um Autogramme bittet, wird wiederkommen. "Man kann essen, trinken und wird auch noch gut unterhaltenein echter Geheimtip. "

 UTE LOHSE