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Von schlimmen Weibern und braven Männern Lampenfieber präsentiert ... Liebe wie´s im Büchl steht
Pullach/Höllriegelskreuth Die Ohrwaschel weit offen und mit großen Augen haben sich die Buben und Mädchen auf dem
Boden vor der Bühnenrampe häuslich eingerichtet. Angestrengt verfolgen sie die Kampftechniken eines "alten Dackel" und eines "g'schlamperten“ Luders - und lernen eifrig mit. "Liebe,
wie's im Büchl steht", praktiziert Sonja Bahners Bayrisches Volkstheater im Gasthaus Brückenwirt - und der Aufklärungscharakter ist pädagogisch wertvoll.
Der neunjährige Michi, ein Kenner der Eigenarten von Dinosauriern, grinst: "Das weiß ich alles, weil meine Mama Kellogg`s -
Pakete kauft", und die Schwester nickt bestätigend. Clever der Kleine!
Dann aber gehört die Aufmerksamkeit dem Papa Alex Kragl, der sich zwar nicht mit prähistorischen Ungeheuern herumschlagen muss,
sondern einem ganz gegenwärtigen Weibsdeifi ausgeliefert ist. Also, das Stück von Friedl Tomek ist ein Hammer, dessen brachiale Gewalt früher oder später die Grünwalder Brücke zum Einsturz bringen wird. Und
jede politische Korrektheit in Bezug auf Frauenfeindlichkeit ist gleich abzuwürgen. Die Story vom Dasein allgegenwärtiger Wohnstuben - Megären ist so krassüberzeichnet, strotzt vor solch einer schwankhaften
Fülle, dass alle aufgebrezelten Selbstinszenierungstussis nur noch im "Girlscamp" der Labertanten Trost finden werden.
Sonja Bahner hat mit ihrem "Lampenfieber" - Ensemble den ultimativen Heuler auf die Bretter gesetzt.
Die Frauen übernehmen das Ruder
In dieser Studie der Eifersucht übernehmen die Frauen das Ruder und zwar mit der Präsenz allmächtiger Muttergöttinen, die
zornig, grimmig sind, und ihren ältlichen Lauser am welkenden Haarkranz packen.
Die Cilli schaut so aus, wie sie heißt: sie ist eine Widerspenstige, die hinter all ihrem Keifen eine tiefe Sehnsucht nach Liebe
verbirgt. Ihr Gatte, der Sebastian Hörndl, der seinen Nachname zu Recht tragen sollte, ist im Bett eine Pfeife. Dann gibt es noch den schmucken Knecht und sein liebreizendes Dirndl.
Die Ausgeburt aller kollektiven Männerängste aber ist die besenschwingende Burgl Stangl (Prachttype: Heidi Ostermaier). An ihrer
Kette der "dressierte Mann". Einer, der mitleidheischend daherzuckelt und in seinem ganzen Leben wohl keinen lohnenden Anlass mehr finden wird, irgendein Adonis - Körperteil zu entblößen. Da hat einer
alle Kastrationsängste, Milchsuppen und den permanenten Bettdecken - Horror überwunden (überragend: Christian Fey). "Bremsig, wenn sie nur eine lange Männerhose irgendwo hängen sieht, ist die Nandl. Ihre
Hobbies: das Lesen von Kaufhaus - Erotik, stramme Waden zum Herzeigen und der Duft von Männern. Komik auf dem Schleudersitz: Susi Hetrich. Absoluter Höhepunkt: der fordernde Hüftschwung von der allmächtigen
Burgl. Ein Naturereignis wie die Niagarafälle und voll verstörender Sinnlichkeit.
Man sieht's: Zum Lachen braucht es beim "Lampenfieber" keinen Gang in den Keller, die Akteure vermitteln ihre schier
maßlose Spielfreude den Zuschauern ohne Schwellenängste. Aber weil die Regie - Allrounderin und Mitspielerin Heidi Ostermaier mitten im gröbsten Klamauk auch Feinzeichnung betreibt, weicht Schadenfreude
übervollem Herzen.
Manfred Stanka
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