Aktualisiert am

06.02.2013

MM vom 23.4.02

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Keine ganz normale bayerische Familie
„A gmahde Wiesn“ im Brückenwirt

 Grünwald – Ein kühles Lüftchen  pfeift durch spärlich verteilte Häuslichkeiten und der Fliesboden vermisst seinen warmen Teppich. Weder Vorhang noch goldrahmige Ahnenportraits flankieren die Wände, selbst der Nachttopf, der ist weg. Die Besitzer werkelten emsig an einem neuen Terrain. Nun ist das Zuhause fertig und sogar öffentlich zumutbar. Die Theaterbühne beim Brückenwirt präsentierte jetzt die bayerische Boulevardkomödie „A gmahde Wiesn“. Das Stammpublikum strömte in Scharen herbei – selbst auf der Grünwalder Brücke hätte man Stühle aufstellen können, wenn man im Vorhinein nicht die Anzahl begrenzt hätte.

 Zum Stück. Der Mesner alias Robert Hamberger, das Urgestein des bayerischen Volkstheaters mit nunmehr 15jähriger Bühnenerfahrung, kündigt seine Kollegen des Ensembles Lampenfieber an. „Macht`s no d`Handys aus, denn der Pfarrer mog des net”, warnt er die Gäste. Der Vorhang öffnet sich. Einige Besucher waren gerade noch beim Schweinsbraten – da tritt Gloria Kastlmeier im Brautkleid heulend auf der Bühne und die Mama attestiert: „Du hosd viu z`viu Gfui“. Vater Nepomuk rechtfertigt derweil seinen Verleih von Toilettenhäuschen und meint mit einem süffisanten Lächeln: „des Gschäft geht immer“. Und die Oma hört zwar schlecht, aber belauscht alle ganz gern, während die Schwester allein den Haushalt macht.

 Eine turbulente Mischung eigenwilliger Charaktere, die alleine schon die Abendunterhaltung garantiert. Doch die Krönung liefert Charly Brummer, der als Nepomuks Wettkaninchen dient und verkleidet um die Hand von Gloria anhält. Im Korsett zerquetscht er seinen Bierbauch, schwitzt unter einer künstlich lockigen Haartracht. Versprecher wie: „Ich muss aufs schärfste prostituieren“, sind seine Spezialitäten. Konkurrenz um seine Gloria bietet ihm der Graf Bruno von Tanelle, ein edler Herr vom Geschlecht der Grimassis, dessen unnachahmliche Augenbrauenmimik – eine Braue unten und eine am Haaransatz – wohl im Einklang mit dem Namen vererbt wurde. Beide haben einen grundverschiedenen Anlass zum Heiraten. Was sie wirklich im Schilde führen, ist sehenswert. Das gut einstudierte Stück jedenfalls zeugt von der Fleißarbeit ihrer talentierten Darsteller.

Thomas Teutsch