Pullach/Höllriegelskreuth - Vom Guckkasten ins Wohnzimmer: Sogar eine Fernsehanstalt hat sich vom „Lampenfieber"
an der Grünwalder Brücke anstecken lassen. Eine Dokumentation über die Laienspielschar ist bereits im Kasten und ein ganzer Spielabend bereits anvisiert.
Seit fünf Jahren bedient die Truppe unter Sonja Bahner und Alex Kragl alle Bauerntheaterklischees. Nur sie gönnen sich ironische
Brechungen, und weit draußen hinter den sieben Bergen geht die Post ab. Zweifellos, am Bayrischen Volkstheater GBR führt kein Weg vorbei!
Ein Tipp: Der Fußmarsch zum Theater-Domizil via Höllriegelskreuth ist entbehrlich. Wie in einem Ludwig-Ganghofererroman rauscht
die Isar in der Tiefe. Feindesland! Jeder Fremdling, der sich hier bei Nacht und Nebel herumtreibt, wird misstrauisch gemustert. „Sie müssen das Treppchen dort hinunter.“
Die Dame wünscht viel Vergnügen, ihr knurriger Hund bellt Unübersetzbares.
Das Treppchen - eher ein Gemsentritt, dafür mit Geländer ausgestattet - reicht 60 Stufen tief ins Dunkle. Urplötzlich Lichter,
Lachen - das Bimmeln der Kuhglocke drängt zum Beginn.
„Der verliebte Spion" lässt zunächst intime Einblicke ins bäuerliche Boudoir mit den Duftwolken von E au de Cologne und
halb verhüllten Damen erwarten. Sowas muß doch ausspioniert werden! Aber Autor Franz Schaurer haut dem Publikum eine knallharte Spekulantenfarce um die Ohren. Als Dorfspitzbub betreibt Jakob Pfleiderer die Kunst
des Betrügens aus Leidenschaft. Nach Pannen, Pech und Pleiten rafft sich der sympathische Unhold (Alex Kragl) immer wieder auf, so wie die kleinen Teufelchen im Puppentheater. Ausgerechnet der tumbe Loisl (Robert
Hamberger) bringt das Spinnennetz um ungültige Kaufverträge, verscherbelte Straßen und Scheinprojekte zum Zerreißen.
Aber wie einer der großen Zyniker der Weltliteratur ist Jakob Pfleiderer von der Dummheit seiner Mitmenschen überzeugt. Das war
nicht sein letzter Streich!
Aber auch Sonja Bahner, die wohl aparteste Krawallschachtel, die es hier zu Lande zu bestaunen gibt, und Carmen Basl eher
sanftmütiger Hausdrachen haben ihr Pulver noch nicht verschossen.
Einige Übertreibungen, wie das Anblöken im Dialog, sollten um einige Gradmesser heruntergeschraubt werden. Aber als
vergnügliche Groteske zwischen Bauernstube und Wirtshaus funktioniert das Ganze ohne Abstriche. Dazu ein kleines Wunder: Das makellose Zusammenspiel aller Akteure. Jeder hört auf den anderen, und das Schweigen
unter den Ensemblemitgliedern ist von lächelnder Beredsamkeit erfüllt.
Manfred Stanka
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