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Lampenfieber bestimmt ihr Leben
Höllriegelskreuth - Bald ist es zwei Jahre her, dass sich beim Brückenwirt in Höllriegelskreuth eine Theatergruppe einnistete.
Auf der Suche nach einer neuen Spielstätte sind die Abtrünnigen der Kleinen Bühne" aus dem Münchner Westend im Landkreis fündig geworden. Mit zwei Stücken a` sechs Aufführungen pro Jahr bereichern die
Mundartler die lokale Kulturlandschaft.
Kopf und Herz des Ensembles ist Sonja Bahner, von ihrem Lieblingsgefühl "Lampenfieber", stammt auch der Name. Gemeinsam
mit Ehemann Kurt kümmert sie sich um die Organisation des als "Gesellschaft bürgerlichen Rechts" (GbR) eingetragenen Unternehmens. Bei Familie Bahner laufen die Fäden zusammen. Von der Stückauswahl
über Buchung und Werbung bis zum Druck der Eintrittskarten widmen beide den Großteil ihrer Freizeit dem Theater. Noch können die Amateure nicht von ihrer Kunst leben, das soll aber nicht so bleiben.
er chronische Männermangel auf der Besetzungsliste macht die Auswahl der Stücke schwierig. Ist die Entscheidung aber gefallen,
arbeiten alle Schauspieler gemeinsam an der Bühnenreife. Heidi Ostermaier hat sich als Regisseurin bewährt, bearbeitet - wenn nötig - den Text, näht Kostüme, betreut die Maske- und spielt auch noch mit.
"Der Schwenk von der Regie zum Spiel sei das Schwierigste, auch wenn das Multitalent bei der Rollenwahl bescheiden bleibt und spielt, was gespielt werden muss".
Die ehemalige Bankangestellte "hat bei Lampenfieber alles, was ich brauche". Und da ihrem Mann eigentlich nichts anderes
übrig bleibt, ist er auch bei Lampenfieber mit dabei. 1975 stand er erstmals auf der Bühne, ein Bekannter hatte ihn zu Probe überredet, dumme Bauern und Heiratsschwindler wurden seine Spezialität. Heute
betätigt sich der Frührentner überwiegend hinter der Bühne. Dort ist der gelernte Feinmechaniker verantwortlich für Licht und Technik.
Nach einer Schauspielausbildung in Florida verdient sich Christian Fey aus Miesbach seit 14 Jahren seine Brötchen als Stuntman.
"Davon kann er zwar gut leben, den Traum von der Karriere als echter Schauspieler" hat er aber noch nicht begraben. "Angst vor der Bühne hat er längst keine mehr, neben bayrischen Volksstücken
fühlt er sich den Anforderungen ernsthafter Stücke und Autoren durchaus gewachsen. Der gemeinsame Anfang bei Lampenfieber verbindet, wir treffen ja nicht dienstlich aufeinander. Das Klima ist sehr locker und
konstruktiv, hier zu spielen macht einfach riesen Spaß", beschreibt er seine Erfahrungen.
Auch mit den Rollen war er stets zufrieden. Nur im neuen Stück, der Geisterbraut", die im Oktober Premiere hat, spielt er
einen extrem Doofen mit Schlag". Bleibt abzuwarten wie der Prototyp des jugendlichen Liebhabers diese Herausforderung meistert.
Alex Kragl entdeckte seine Liebe zum Theater bereits während der Schulzeit. Das Lernen von Texten fällt ihm leicht, Hemmungen
sich auf der Bühne zu produzieren, hat er nicht. Der Plan von der Schauspielausbildung scheiterte an den schwachen Finanzen, er lernte Schlosser und lebt heute für die Zeit nach Dienstschluss. Der stämmige
Urbayer zieht die derben Rollen den sanften vor, ein trunkener Hausierer ist ihm allemal lieber als ein säuselnder Romeo. Er kann sich im Volkstheater ausleben und ist gemeinsam mit Sonja Bahner auch schon beim
Berufstheater vorstellig geworden. Ohne Erfolg.
Sonja Bahner, die bereits in Fernsehserien wie "Derrick" und "Alle meine Töchter" in kleinen Rollen
mitwirkte, beschreibt das Dilemma der "Ungelernten" aus ihrer Sicht: "Die dargestellte Person soll so natürlich wie möglich wirken. Den Schauspielern aber ist die Natürlichkeit aberzogen worden,
und die Laien können keine Ausbildung vorweisen. Im Zweifelsfall entscheiden sich die Regisseure für die Profis". Solange dies so ist, proben und spielen die Büro- und Bankangestellten, Sekretärinnen und
Hausfrauen zweimal wöchentlich in Höllriegelskreuth.
Von Frust über verpatzte Chancen oder Lebensträume ist nichts zu spüren. Hier geben alle ihr Bestes. Wenn schon nicht für eine
Casting-Agentur aus Hollywood, dann doch für ein treues und begeistertes Publikum.
Ute Lohse
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