Aktualisiert am
03.02.2012

Brückenwirt reaktiviert

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Süddeutsche Zeitung im Februar 1998

Der Brückenwirt

Erich Müller sen. und jun. vom Pullacher "Brückenwirt" haben die hauseigene Bühne reaktiviert
Von Andreas Hummel

 Pullach - Erich Müller nimmt sich gerne Zeit für seine Gäste. Der Senior-Chef vom "Brückenwirt" kennt die Anforderungen an seinen Berufsstand. "Man muss überall ein bisserl mitreden können, über Lokales, Sport und Politik." Für seinen Sohn Erich Müller junior ist er nicht nur deshalb der "maßgeschneiderte Wirt". "Wir harmonisieren unwahrscheinlich gut miteinander", lobt er die Zusammenarbeit mit seinem Vater. Gemeinsam leiten sie das Gasthaus an der Grünwalder Brücke als Zusammenspiel von Traditionsverbundenheit und geschäftlichen Weitblick.

In diesem Sinne wurde auch das hauseigene Theater wieder reaktiviert. Gab es in den letzten Jahren vor allem im Winter Volkstheateraufführungen im 180 Personen fassenden Bühnenraum, wird nun wieder das ganze Jahr durchgespielt. Wenn der Junior beruhigt konstatiert, dass bis zum 21. Dezember 1998 alle Termine ausgebucht seien, dann denkt er auch an den notwendigen "geschäftlichen Ausgleich" zu verregneten Biergartensommern durch acht Veranstaltungen monatlich.

 Mit Herzblut hängt der Volkstheaterliebhaber Erich Müller senior am künstlerischen Nebenbetrieb. Gerne erinnert er sich an die Zeit, als er 1964 einen heruntergekommenen Gasthof am Isarufer übernahm und den "Brückenwirt" begründete. Am Anfang war Aktivität gefordert. Wenn es hieß, "der Wirt spielt mit", seien die Leute in Scharen herbeigeströmt. Jetzt wird der Publikumszulauf durch die Gruppen selbst garantiert. Die "Bayrische Komödie am Tegernsee" oder die Volkstheatergruppe "Lampenfieber" bringen laut Müller jun. bis zu 80% der Fangemeinde gleich mit. Theatergäste, die vor, während und nach dem Gaudium bewirtet werden wollen. Zu künstlerischen Kurzauftritten bleibt dem Wirtegespann da keine Zeit, wobei dem Senior aber noch immer seine Rolle als aufmerksamer Beobachter wichtig ist. "Man muss hinterher auch Kritik üben können. Die sind ja froh darüber", sagt er in Richtung Laienspielgruppen Gelegenheit dazu hatte er jüngst bei dem Kinderstück "Kopf hoch Jacobinus". Im März wartet nach dem "Haus- und Hofball der Pullacher Rabenritter" zu Fasching schon "Lampenfieber" mit "Der ewige Spitzbua" auf sein fachkundiges Urteil.

 Dem Sohn bleibt das Organisatorische überlassen. Und da gibt es neben dem Theater noch anderes zu bedenken. Taufen, Hochzeiten und andere Festivitäten werden gerne im "Brückenwirt" gefeiert. Im Sommer legen die Floße samt durstiger Besatzung an, die Radler kommen des Weges, und manchmal steht sogar "Bavaria Film" vor der Tür. Ähnlich wie bei den Laienspielgruppen wurde angeklopft, ohne dass die Müllers zuvor mit ihren Räumlichkeiten geworben hätten Produktionsteams nutzen aus akutem Platzmangel im eigenen Gelände gerne einmal den Theatersaal, um ihre Kulissen aufzubauen, oder machen Außenaufnahmen am idyllischen Isarufer mit bekannten Fernsehstars. In den letzten Jahren sei es allerdings etwas ruhiger geworden.

  Ein wenig zu ruhig wurde es, und das betrifft auch das Ausbleiben der Gäste, die nur zum Essen kommen, als die Straßenunterführung in Höllriegelskreuth oberhalb des "Brückenwirts" gebaut wurde. Über ein halbes Jahr hinweg war unklar, wie der Gasthof an seiner exponierten Lage zu erreichen ist. "Das war eine Katastrophe", erregt sich Müller junior noch heute darüber, dass trotz geregelter Zufahrt nur "eiserne Stammkunden" den Weg zum Ausflugslokal gefunden hätten. Denkt er jetzt an den bevorstehenden Bau der neuen Grünwalder Brücke, gleich neben der alten Isarüberquerung, beschleichen ihn ähnliche Sorgen. Wenn auch keine Straßensperre zu erwarten ist, so doch eine Konfrontation mit Lärm und Staub über etwa zwei Jahre hinweg. Zudem sollen die Bauschutttransporter vorbeirattern. "Wir sind bisher mit allen Situationen fertig geworden", gibt sich Müller vorsichtig optimistisch. Und der Vater verweist auf das, was ihm der Mundartdichter Georg Lodermeier ins Gästebuch geschrieben hat:

“Und die Isar rauscht daneben,
es kann kein schöneres Platzl geben."